In den Nebel: Guttenberg tritt ab

by frjk on 2. März 2011

Bildquelle: CC 2.0 mdornseif / flickr

Die Manege kocht wieder einmal, vermutlich ist die Bild daran nicht ganz unschuldig. Der unverblümte Titel “Was denkt Deutschland über Guttenberg?” (Quelle, 19.02.2011) hatte zum Zeitpunkt der Umfrage Schockierendes ergeben: Satte 68% vertrauten weiterhin dem Lügner und Betrüger und nur 32% wollten ihn endlich untergehen sehen. Ich muss zugeben, dass ich bis dahin nichts von dieser Farce mitbekommen hatte, weil ich kein TV-Gerät besitze und in Zeitungen nur die Finanzsparte lese.

Der Rücktritt kam für mich völlig überraschend, der Pöbel allerdings sieht sich in seiner zerebralen Glanzleistung bestätigt: “Der musste ja weg, der hat gelogen, nämlich!” – Wir leben in einer Demokratie und meist bekommt die Mehrheit ihren Willen. Vermutlich waren die Umfrageergebnisse vom 19.02. längst gekippt, auch wenn die gleichen Personen befragt wurden. Wer soll da auch noch durchblicken? Man kann sich doch “mal vertun”?

Scheinbar nicht. Der Herr zu Guttenberg zieht sich vom Ministerdasein zurück – und ich ziehe meinen Hut. Mein Liebesbrief an Karl-Theodor kam leider zu spät und konnte ihm keinen Mut mehr machen.

Das Statement: Macht’s gut!

Seht ihn euch an – er geht pomadiert in den Nebel, der vor ihm liegt. Erhoben das Haupt, ganz schlaff der Zeigefinger. Er übernimmt Verantwortung. Das hat er auch schon vorher getan, aber für kurzsichtige Menschen bietet lediglich ein Rücktritt die Möglichkeit, dem Politologen die Stirn zu bieten: “Ha, was für’n Feigling” oder “Gute Entscheidung, auch wenn’s ein Arschloch bleibt” rauschen rechts rein und links wieder raus.

Text:

“Wenn allerdings, wie in den letzen Wochen geschehen, die öffentliche und mediale Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg und seine Dissertation statt beispielsweise auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zu Lasten der mir Anvertrauten statt.”

(Quelle: zuguttenberg.de)

Video:

Dem habe ich nicht viel hinzuzufügen und möchte gern den digitalen Mittelfinger an all jene verteilen, die sich stets wie die Geier auf Menschen wie Karl-Theodor zu Guttenberg stürzen, sobald die weiße Weste vom Angstschweiß gelbe Flecken bekommt.

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