Ich habe es heute mit meinen eigenen (Katzen)ohren gehört: Ein Professor der Universität zu Köln sprach im Zusammenhang mit dem deutschen Bildungssystem von einer waschechten Nazi-Gesellschaft. Wie recht er damit hat. Eine völlig subjektive Analyse und eine nicht ganz BGB-konforme Conclusio.
Kindergarten
Hier beginnt die Misere auch schon. Eltern haben historische Hintergründe, die oft bis in zwei oder drei vorige Generationen zurückreichen: Es geht um Klassenkampf. Es gibt die Kinder, die täglich wie aus dem Ei gepellt in der Kita antanzen und es gibt die Schmuddelkinder. Bildung? Wohl kaum. Förderung? Wer soll das bezahlen? Kitas schließen reihenweise!
Grundschule
Schmuddelkinder bekommen nun zum ersten Mal ihren Status Quo zu spüren – ohne überhaupt zu verstehen, was Mobbing bedeutet oder gar zu wissen, dass sie arm sind und / oder ungebildet. Die Kinder der Reichen leben in Saus und Braus; auch diese kleinen Geschöpfe haben noch keine Ahnung, ahmen jedoch ihre Eltern neu-gierig nach.
Hauptschule
Ein Armutszeugnis per se. Es wird seit gefühlten Ewigkeiten diskutiert, ob Hauptschulen abgeschafft werden sollen, letztlich haben sie keinen Bestand. Die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund und sehr geringer Bildung (kein Bock, kein Geld, kein Bock) explodiert und die Lehrer verzweifeln. Hauptsächlich an sich selbst. Wenn die Hauptschule tatsächlich einmal abgeschafft werden sollte, dann wird das Geheule in Mittel- und Oberschicht subtil an Lautstärke gewinnen, denn: Die gesellschaftlichen Klassen sind näher gerückt als es vielen arroganten Eltern und Kinder-Verziehern lieb ist. Das Motto lautet: Hartz IV bekommt einen Sinn!
Realschule / Gesamtschule
Nix Halbes. Nix Ganzes. Mittelmaß. Manchmal gehoben, oftmals abgehoben. Die sozialen Brennpunkte entstehen wiederum in den unteren Schichten, sprich: Den schlechter Verdienenden. Die Frage lautet fast immer: Welche Ausbildung fängt mein Kind an? In einigen Fällen wird nach “Bestehen” der 10. Klasse überlegt, ob das Abitur vielleicht doch noch erreicht werden kann. Die verbleibenden Schüler dümpeln in Hartz IV und Co. herum, ohne dass es jemanden interessiert.
Das Gymnasium
Die so genannte Elite findet sich hier ein. Ich war selbst an einem hochgelobten Gymnasium (Bodelschwingh-Gymnasium Herchen) und habe dort mein Abitur gemacht; meine Einschätzung der dortigen Verhältnisse ist ganz passabel, auch wenn ich nicht glaube, dass unter meinen Mitschülern wenigstens ein einziger war, der das gehypte Wort “elitär” als Attribut verdient hat. Dennoch sieht man hier kollektiv keine Probleme im System, sondern eine rosige Zukunft – nachgedacht oder gar hinterfragt wird nichts, denn man gehört schon zur Elite und kann sich faul auf den Lorbeeren ausruhen. Bis zum Studium.
Conclusio
Was nach der Sekundarstufe I oder II geschieht, steht in den Sternen. Aber jene Zeichen, die man mit weit aufgerissenen Augen erkennen kann, verheißen weder eine rosige Zukunft noch eine Besserung des Status Quo im deutschen Bildungssystem. Ich gebe dem genannten Professor meinen hochgestreckten Daumen und sage: Ja, lieber, weiser Mann, wir leben in einer waschechten Nazigesellschaft und die Selektion findet nicht nur einmal, sondern mindestens vier verfluchte Male statt, ohne dass jemand mit der Wimper zuckt.
Das allgemeingültige Motto lautet:
Willkür und Gesellschaftsstand entscheiden über den Wert der Menschen, nicht ihre persönlichen und völlig eigenen, eigentlichen(!) Eigenschaften oder besser noch: Ihr Mensch-Sein.
Liebes deutsches Gesetzbuch, verzeih mir die Anprangerung meiner Leser…
Du, der du dies liest: Ich wette, dass auch du ein Nazi 2.0 bist – vielleicht weißt du es, vielleicht auch nicht. Wenn du denkst, dass ich – der Autor – einen Knall habe, dann teile ich dir noch etwas ganz Geheimes mit: Ich bin auch ein Nazi 2.0!


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