Qualitätsjournalismus vs. Bloggereien

by frjk on 19. Dezember 2008

Ich bearbeite fast täglich mehrere Weblogs, aber bin ich darum ein Journalist? Ein so genannter Web-Reporter, wie sich mittlerweile Heerscharen von gelangweilten Teenies und sonstigen Besserwissern nennen? Bin ich fähig – und ist es eigentlich gut, wenn ich es mache – Berichterstattung zu betreiben, die der Gesellschaft nützt? Indem ich bloß über persönliche Erlebnisse schreibe?

Oder vorgebe, ein Spezialist in Thema XYZ zu sein? Reichen meine hier gestellten Fragen, um aus meiner inneren Diskussion eine veräußerte zu machen? Eine, die auch dich interessiert und womöglich dazu bewegt, mir weiterhin zu folgen und mit mir zu kommunizieren.

Was zum Teufel ist Qualitätsjournalismus?

Was bedeutet Qualität überhaupt? Jetzt wird es spannend: Verrückterweise gibt es sogar für Qualität eine ISO-Norm (Wikipedia). Diese ist wie folgt festgelegt:

“[...] Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale Anforderungen erfüllt.”

Soso! Klingt komisch, scheint aber tatsächlich so zu sein. Demnach betreibt beispielsweise die BILD-Zeitung Qualitätsjournalismus. Das kann man sehen, wie man will. Nebenbei: Ich gebe freimütig zu, die BILD zu lesen, wenn ich sie ab und zu in der U-Bahn in die Finger bekomme!

Die Welt der Medien erlebt eine wahre Flut an Möchtegern-Journalisten – und alle haben ihre Daseinsberechtigung, niemand ist oder schreibt “schlechter” als der andere. Es ist eine Frage der persönlichen Ansprüche an ein Medium (oder was-auch-immer), nicht mehr oder weniger.

Welchen Anspruch hast du?

Willst du unterhalten werden oder möchtest du etwas lernen? Oder warum liest du eigentlich Zeitungen oder Weblogs wie jetzt gerade? Es spielt keine Rolle, ob hinter dem dir vorliegenden Text Wahrheit, Konsequenz, eine fundierte Journalismus-Ausbildung oder schlicht Marketing steht! Du liest, was du bist. Du bist aber nicht das, was du liest. Du bist ein Richter über Milliarden Medienprodukte, die entweder deinen Ansprüchen (Satz inhärenter Anforderungen) genügen oder eben nicht. Kein Grund also, sich über die BILD-Zeitung oder den Blog von XYZ aufzuregen oder darüber zu lästern; wieder sehr freimütig gebe ich ebenfalls zu, auch gerne zu lästern und die Qualität anderer Weblogs zu bemängeln. Aber: Who cares?

Blogs gibt es schon seit der Erfindung der Schrift(-Sprache)

Jeder Diskurs entspringt einem Bedürfnis nach Mit-Teilung und ist damit allen anderen Ver-Öffentlichungen gleichzusetzen. Niemand zwingt dich, beispielsweise einem Focus Test zum Thema “Depression” positive Aufmerksamkeit zu schenken. Ebenso bist du nicht dazu verdammt, jeden Schnipsel Literatur zu hinterfragen. Es ist ein guter Zeitvertreib und oft Grundlage für tiefgehende Fragen des Seins oder der Ein-Stellung gegenüber bestimmten, subjektiv bewerteten Lebensinhalten – niemals jedoch gut oder schlecht.

Qualitätsjournalismus versus Bloggereien

Der Titel entwirft womöglich ein Bild der Bewertung, aber ich komme zu dem Schluss, dass auch der dümmste und am wenigsten gebildete Blog der Qualität (entsprechend der aberwitzigen ISO-Definition) eines hoch dotierten Dossiers über, sagen wir “Die Sinnfrage im Kontext globaler Marktanpassung, speziell im Europa des 14. Jahrhunderts” in nichts nachsteht, sondern absolute Gleichwertigkeit (an sich – danke an Kant für diesen philosophischen Total-Kollaps) beansprucht.

Die Überschrift sollte damit lateinisiert eher “Qualitätsjournalismus aequalis Bloggereien” heißen, aber das würde niemand anklicken, weil kaum jemand weiß, was es bedeutet :-)

Mein Fazit zum Thema lautet:

“Jeder Blogger dieser Welt trägt seinen Teil zur Kommunikation bei und geht dabei einen mutigen Schritt in Richtung Globalisierung, da durch die weltweite Vernetzung fremdes Gedankengut jedem und jeder zugänglich gemacht wird. Hiermit möchte ich allen Gleichgesinnten für ihre Courage danken, denn sie tragen zum Miteinander viel eher bei, als ein blasiertes Arschloch von Chefredakteur der FAZ.”

PS: Danke an Benjamin Quiring von Gelée Royal (Online-Magazin) für die heutige Unterhaltung, die mich zum weiteren Nachdenken angeregt hat.

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