Mein Twitteraccount liegt seit Monaten brach. Für ein paar Tage war ich recht fasziniert von dem kleinen blauen Vogel. Dann bekam ich auch zum ersten Mal den Failwhale zu Gesicht – ich war enttäuscht; wie kann ein so riesiges Projekt ständig stranden? Alle Follower sind mir unbekannt und sicherlich nicht aus Interesse mit meinem Account verknüpft.
Twitter: Blabla und tiefschürfende Emotionen
Obwohl ich ein sehr neugieriger Mensch bin, interessieren mich die 140er meistens nicht. Die meisten Kurzeinträge beinhalten Werbung für die eigene Seite oder unzugängliche Themen, mit denen ich mich entweder nicht auskenne oder um die ich aus Gründen der Vernunft einen großen Bogen mache. Ich rekapituliere. Da gibt es tatsächlich Menschen, die glauben, dass das neue Musikalbum, was sie sich gekauft haben, von Interesse für den gesamten Kosmos ist. Oder diejenigen, die über ihren Stuhlgang berichten. Dann wiederum gibt es tiefschürfende (seltene) Twitter-Orgasmen, die mich zum Nachdenken bewegen. Mehr als 99% aller sogenannten Tweets kann ich jedoch in die Schublade BKM (Braucht kein Mensch) einordnen. Twitter ist langweilig, aber…
Twitter: Ein Hype ist ein Hype ist ein Hype
In Ordnung, ich bin uncool und nicht im Trend, weil ich Twitter nicht für voll nehme. Immerhin haben auch Justin Timberlake und andere besondere Persönlichkeiten einen Account. Mir reicht dieser simple und unlogische Grund nicht aus, um mit dem Failwhale meine Freizeit zu verbringen. In Momenten wie diesem (jetzt gerade) möchte ich mich eigentlich gern wieder einloggen, um ein paar völlig willkürliche Botschaften ins Netz zu spammen, aber ich will erst diesen Artikel beenden. Twitter ist ein Hype. Ein riesiger, bunter Ballon, der hauptsächlich heiße Luft enthält und dadurch ständig neue Höhen erreicht. Twitter ist scheinbar nicht mehr aus dem Internetalltag wegzudenken. Twitter ist überall. Es fehlen nur noch Tattoos. Die könnte ich mir mit Twitpic anschauen, aber ich will doch überhaupt nichts anschauen, nichts anklicken und auch niemandem folgen. Twitter nervt, aber…
Twitter: 140 Zeichen bedeuten Fantasie
Um mit nur 140 Zeichen sinnvolle Sätze zu bilden, reicht eine Straßensprache ohne Schliff nicht aus und ich begrüße zumindest diesen Aspekt der großen Twitter-Blase. In der Kürze liegt die Würze und das soll ich mir gefälligst gut einprägen. Die Menschen haben scheinbar keine Zeit mehr für lange und ausformulierte Sätze – es wird gezwitschert. Ich rolle mit den Augen: Muss man das denn wirklich so nennen? Ist Twitter wie einst Google fähig, den Duden mit unnötigen Verdenglischungen zu vergewaltigen?
Jedenfalls mag ich diese bewusste Beschränkung auf 140 Zeichen und ich würde mich auch in der realen Welt freuen, wenn manche Menschen die Fähigkeit “Sich-kurz-fassen” beherrschten. Twitter ist fantasievoll, aber…
Twitter: Schnelllebigkeit forte plus
Twitter ist eine Variable – heute X, morgen Y. Wer kann schon ahnen, womit der Uber-Service nächste Woche wieder Schlagzeilen macht. Viel wichtiger jedoch als sinnentleerte Vermutungen ist die Frage, warum die exzessiv veranschaulichte Schnelllebigkeit überhaupt für irgendwen relevant ist. Twitter ist für Leute, die sich ohnehin schon kennen. Ein ICQ oder IRC zweiter Klasse. Oder andersrum, je nachdem, was man als User (= Konsument) bevorzugt. Viele sprechen vom Stalker-Medium, aber diesen Titel beansprucht längst Facebook und zwar nicht ganz unbegründet.
Dieses Geplänkel um weniger als nichts möchte ich endlich verstehen. Ich will auch zwitschern (früher hieß es noch vögeln) und Kontakte zu Gleichgesinnten schmieden. Ich will in dieses Twittersum eintauchen und mich darin verfangen, wie der Failwhale in den schier undurchdringbaren Netzen. Ich brauche dich dafür, denn mein Twitteraccount (siehe ganz unten links) ist bisher nur zu einem verwerflichen Zweck gebraucht worden: Werbung machen, Stuhlgangstories erzählen und belanglose Fragen stellen. Twitter ist mir unverständlich, aber…


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